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D ie meisten Menschen machen sich über alles Mögliche Gedanken. Sie beschäftigen sich jeden Tag mit Nachrichten aus aller Welt. Lesen (online) Zeitungsartikel nach Zeitungsartikel oder sehen die Tagesschau bzw. konsultieren die sozialen Medien. Danach wird sich über die Geschehnisse des Tages oder den neuesten (Promi-)Tratsch groß und breit ausgetauscht. Es wird viel Energie und Zeit in Themen gesteckt, die einen gar nicht tangieren.

Ich behaupte, 99 Prozent der Nachrichten betreffen Sie in Ihrem Alltag nämlich gar nicht. Es könnte Ihnen also auch einfach egal sein, was Trump wieder gesagt hat oder was im Nahen Osten gerade passiert. Trotzdem wenden manche Menschen gefühlt 99 Prozent ihrer Freizeit mit genau diesen – für das persönliche Leben objektiv betrachtet – unwichtigen Sachverhalten auf. Wichtige Aspekte, wie eigene Ziel im Leben zu erreichen oder der Bezug zu dem eigenen Umfeld hingegen, gehen zunehmend verloren. Wieso eigentlich?

Flucht ins Banale

Wie bereits erwähnt, defacto ist es erst einmal egal für Ihr persönliches Leben, was in der Politik, bei Promis, in anderen Ländern etc. passiert. Auch wenn es vielleicht schrecklich ist, Ihr Leben wird davon nicht direkt beeinflusst.

Allerdings werden viele Menschen, wenn man Ihnen dies sagt sehr gereizt und halten eine »Predigt« darüber, wie schlecht es den Menschen dort oder dort geht; oder wie ungerecht dies und jenes ist. Machen tun Sie aber nichts. Sie regen sich nur auf bzw. reden darüber.

Oft sind gerade die Menschen, die sich am meisten Aufregen nur groß im Reden schwingen, aber sehr klein in ihren Taten. Dies kann verschiedenste Gründe haben.

Einen Grund ist sicherlich, dass die Berichterstattung in den Medien uns stets vorgibt, Alles sei so wichtig. Hinzu kommt, dass es natürlich immer einfacher ist über etwas zu reden, was einem nicht primär betrifft und auf das man auch scheinbar keinen direkten Einfluss hat – zu mindestens nicht ohne größeren Aufwand.

Gerade im Social-Media-Bereich kommt hinzu, dass bei dem Konsum von Social-Media-News ein Zugehörigkeitsgefühl entsteht. Sie erleben das Leben der Stars, Influencer etc. scheinbar mit. Dies entsteht dadurch, dass Sie auch teilweise an privaten Momenten per Foto oder Video teilhaben dürfen. Sie werden täglich darüber informiert, was bei der Person, der Sie in den sozialen Medien folgen, gerade passiert. Selbst wenn Sie selbst nichts erleben in Ihrem eigenen Leben, haben Sie so zumindest ein stückweit die Erlebnisse von anderen miterlebt. Sie können sich sogar darüber austauschen und Kommentare abgeben und erhalten vielleicht von Ihrem Idol oder zumindest von anderen Followern eine Antwort. Hierdurch entsteht das Gefühl einer Art von sozialer Integration. Dies alles hat jedoch nichts mit Ihrem realen Leben zu tun.

Dies alles führt dazu, dass wir überspitzt ausgedrückt uns zumindest teilweise ins Banale flüchten. Es ist eben einfach einfacher über fremde Probleme zu reden, als sich mit seinen eigenen zu befassen. Nur eigene Probleme wälzen etc. ist natürlich auch nicht der richtige Fokus – aber was ist er denn dann?

 

Was ist wichtig?

Wir wissen nun, dass viele Menschen häufig falsche Prioritäten in unserem Alltag legen. Wir beschäftigen uns mit Themen, die uns nicht direkt tangieren – regen uns teilweise sogar über diese auf. Um besser einschätzen zu können, worauf wir unseren Fokus stattdessen legen sollten, ist ein guter Weg uns zunächst darüber klarzuwerden, wer uns bei Notfällen hilft und mit wem wir am meisten interagieren.

Hier stehen natürlich die eigene Familie und der Freundeskreis an erster Stelle. Bei Freunden sind hier nicht Online-Bekanntschaften gemeint, sondern Ihre wirklichen Freunde im realen Leben. Hinzukommen Arbeitskollegen/innen, die Sie unter der Woche jeden Tag für mehrere Stunden sehen. Je nach Arbeitsvolumen sogar teilweise leider länger, als die eigene Familie. Für dieses gesamte soziale Umfeld sollten wir daher unsere Aufmerksamkeit hoch priorisieren. Diese Menschen sind es, die uns nahe stehen bzw. mit uns unser Leben bestreiten.

Ihr Nachbar tangiert Sie mehr als die Tagesschau

Eine weitere Gruppe, die plötzlich sehr wichtig für sie werden kann – die aber leider viele Menschen gar nicht auf dem Radar haben – sind Ihre Nachbarn. Immer häufiger ist Vielen sogar komplett unbekannt, wer da eigentlich gegenüber, oberhalb oder unterhalb wohnt. Dies ist vor allem in großen Ballungszentren häufig der Fall.

Ich habe mich bspw. als ich in meine Wohnung neu eingezogen bin, im gesamten Haus vorgestellt. Gerade von den älteren Mitbewohnern habe ich nur gute Reaktionen erhalten. Häufig in dem Tenor: „Ist das schön, dass Sie sich vorstellen. Ich weiß ja bald gar nicht mehr, wer alles in dem Haus wohnt. Früher kannten wir uns Alle und haben uns gegenseitig geholfen. Wenn ich etwas für Sie tun kann, kommen Sie bitte vorbei.

Das ist schon krass, denn in dem Haus wohnen lediglich 10 Parteien auf 5 Ebenen. Scheinbar genügt dies schon aus, dass jeder in seiner eigenen Welt komplett verschwindet. Ich glaube, dies liegt vor allem an den Einstellungen der Menschen. Eine andere Reaktion auf meine Vorstellung war nämlich auch als ich klingelte, mir die Tür geöffnet wurde und ich erklärt hatte, dass ich mich nur kurz vorstellen wollte: „Das haben sie ja jetzt getan.“ Und schwupp-die-wupp war die Tür auch schon wieder zu. Mittlerweile grüßt aber auch dieser Nachbar freundlich.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Nachbarn? Kennen Sie diese gut oder überhaupt? Gehören Sie vielleicht auch zu den Menschen, die lieber noch zwei Minuten warten, bis der Nachbar/in den Flur verlassen hat und es vor der Wohnungstür ruhig geworden ist, bevor man selbst die Wohnung verlässt?

Ich möchte Ihnen jetzt bei weitem nicht raten, dass Sie sich mit allen Ihren Nachbarn – und Arbeitskollegen etc. – anfreunden sollten. Allerdings denke ich, dass wir doch etwas mehr Zeit in die alltägliche soziale Kontaktpflege investieren sollten. Vor allem sollten wir dieser jedoch nicht ausweichen.

Um auf unseren Nachbarn und die Treppenhausfrage von eben zurückzukommen: Am Ende sind es nämlich häufig Ihre Nachbarn, die Ihnen bei alltäglichen Dingen helfen können (Stichwort: Nachbarschaftshilfe). Wer sonst kann Ihnen mal schnell und unproblematisch beim Hochtragen z.B. Ihres schweren Einkaufs helfen oder – um Klischees zu bedienen – einmal Zucker bzw. Eier borgen?

Daher sollten wir zumindest bereit sein, uns auf Andere einzulassen. Aufdrängen sollten wir uns natürlich nicht, aber mit Respekt und Offenheit für ein respektvolles Miteinander eintreten, sollten wir dennoch. Dies beginnt mit einem freundlichen „Hallo“ im Treppenhaus und eben dem Hilfeangebot, wenn wir sehen, dass wir etwas tun können.

Es ist somit eindeutig, Ihr Nachbar ist wichtiger als die Tagesschau! Beginnen Sie daher bitte damit, Ihre Fokussierung auf die wichtigen Dinge in Ihrem Leben zu richten. Lassen Sie sich nicht von dem »medialen Krach« einnehmen, sondern entziehen Sie sich diesem scheinbar unendlichen Kreislauf von immer wieder neuen Prioritäten ohne Lösungen.

Fokussieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigen zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese werden Ihnen soviel mehr zurückgeben, als was soziale Medien etc. jemals können.

 Ihr