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E inmal den lukrativen Geheimtipp bekommen und 10.000 Prozent oder mehr mit einer Aktie verdienen; oh, wie schön wäre das? So oder so ähnlich hat sicher schon jeder Investor  geträumt.

Nicht umsonst gibt es unzählige Artikel über angebliche Geheimtipps oder Superfavoriten für das nächste Jahr etc. Die Menschen wollen schnell Geld machen und „ausgesorgt haben“. Ist dies aber wirklich mit einem einmaligen riesigen Kursgewinn möglich bzw. realistisch?

Ok, theoretisch möglich ist es auf jeden Fall. Denn, wenn Sie bspw. 5.000 Euro in Aktien zu je 5 Euro investieren und somit 2.000 Aktien besitzen und diese dann auf 1.000 Euro je Stück steigen, dann haben Sie Ihre erste Millionen verdient. Ausgesorgt hätten Sie bei dann folgendem guten Geldmanagement auch.

Die schwierigere Frage ist jedoch, ob es auch realistisch ist. Wie wahrscheinlich ist es, solch ein Investment zu tätigen? Was klar ist, den absoluten Geheimtipp mit Riesenkurspotenzial werden Sie zumindest nicht in einem öffentlich zugänglichen Artikel finden. Vielleicht aber mit ausreichend Recherche und Glück das nächste Google oder Amazon selbst entdecken – das sollte doch möglich sein?

Nehmen wir also einfach mal an, Sie hätten zwei Top-Kandidaten identifiziert und würden in jedes der beiden Unternehmen jeweils besagte 5.000 Euro investieren und einer davon würde wirklich sich in den nächsten 10 Jahren mit einem Kursplus von über 10.000 Prozent entwickeln. Dann wäre doch alles gut oder?

Ich behaupte: Nein!, denn Sie würden nie die 10.000 Prozent mit Ihrem Investment erreichen. Warum? Ganz einfach, Sie würden früher verkaufen. Schauen wir uns die Gründe dafür mal genauer an.

Warum Sie Ihre gewinnbringenden Investments meist zu früh verkaufen

Nehmen wir an, Ihr Investment hat am Anfang einen Wert von 1 Euro je Aktie. Der Aktienkurs steigt innerhalb eines Jahres auf 10 Euro, dann hätten Sie aus Ihren investierten 5.000 Euro bereits 50.000 Euro gemacht. Ein stattlicher Gewinn.

Allerspätestens jetzt – wahrscheinlich aber schon viel früher – würden Sie Ihre Kursgewinne absichern; vielleicht aber sogar schon Teile verkaufen, um so Gewinne mitzunehmen. Selbst wenn Sie nichts verkaufen und nur absichern, ist genau dies der Grund, warum Sie nie die 10.000 Prozent Kurssteigerung erreichen werden. Denn selbst, wenn der Aktienkurs langfristig immer weiter steigt, wird es zwischenzeitlich (starke) Kursrücksetzer geben und es somit durch Ihre Kursabsicherung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Verkauf Ihrer Position kommen.

Es ist somit sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, dass Sie Ihr Investment lang genug halten werden, um die vollen 10.000 Prozent Kursgewinn zu erreichen. Grund hierfür ist zum einen, dass Sie nicht wissen, ob die 10.000 Prozent Kursplus erreicht werden oder nicht. Sie werden somit schon mit einigen 100 Prozent oder mit noch weniger zufrieden sein und entweder verkaufen oder zumindest eine Absicherung einziehen. Letztendlich wird der Verkauf oder das Greifen der Absicherung früher oder später dazu führen, dass Ihr Anfangsinvestment teilweise oder vollständig liquidiert wird. Dies alles ist nicht schlimm, führt aber dazu, dass Sie sicherlich zu früh verkaufen und nie die 10.000 Prozent Kursgewinn erreichen werden.

Wir sind als Menschen eben entweder zu früh zu gierig bzw. haben Angst, die Gewinne wieder zu verlieren, wodurch wir sozusagen »Opfer« unseres Sicherheitsstrebens werden.

Dieses Verhalten ist nichts Neues, sondern wurde schon mehrfach wissenschaftlich untersucht. Es wird als Dispositionseffekt in der Verhaltensökonomie bezeichnet.

Der Dispositionseffekt

Der Begriff »Dispositionseffekt« bezeichnet die Neigung von Investoren, Investments zu verkaufen, die im Wert gestiegen sind und solche zu halten, deren Wert gesunken ist.

Dies bedeutet zum einen, dass Sie Ihre Investments – wie oben bereits erläutert– sehr wahrscheinlich zu früh verkaufen und somit nie ein riesiges Kursplus erzielen werden. Hinzu kommt aber auch noch, wenn Sie falsch liegen und mit Ihrem Investment vielleicht sogar Verluste machen, dass Sie diese zulange halten werden. Sie werden sich an Ihren Fehlgriff gebunden fühlen.

Der Grund hierfür liegt in der unterschiedlichen Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten. Wir empfinden Verluste ungefähr als doppelt so stark wie Gewinne. Dies bedeutet, es tut uns – sogar teilweise körperlich – weh, ein Investment mit Verlust zu verkaufen.

Insgesamt führt der Dispositionseffekt somit dazu, dass das Ziel von hohen Aktienkursgewinnen nicht sinnvoll ist. Zunächst ist es unwahrscheinlich, dass wir ein Aktie identifizieren, die in den nächsten Jahren tausende Prozent Plus macht. Hinzukommt, selbst wenn wir solch ein Investment finden würden, dann werden wir dies sehr wahrscheinlich nicht lang genug halten, um die Gewinne alle zu realisieren. Liegen wir mit unseren Investments daneben, kommt negativ hinzu, dass wir dann möglicherweise entstehende Verluste zu lange halten und somit langfristig eher Geld verlieren werden als gewinnen.

Nur in dem Fall, wenn Sie Andre Kostolany folgen würden und Ihre Aktieninvestments nach dem Kauf für die nächsten 10 Jahre oder mehr erstmal nicht mehr betrachten würden, wäre unter Berücksichtigung des Dispositionseffekts eine enorme Wertsteigerung möglich. Natürlich vorausgesetzt, Sie finden die passenden Investments mit Kurspotenzial. Dies macht jedoch Niemand. Daher ist das Ziel des einen gigantischen Kursgewinns komplette Illusion.

Mein Tipp an Sie, spekulieren Sie nicht auf hohe Aktienkursgewinne!

Auf was Sie anstelle von Aktienkursgewinnen setzen sollten

Sie sollten lieber Ihr Geld so investieren, dass es laufende Erträge erwirtschaftet, ohne dass hierfür ein Verkauf des Investments notwendig ist. So bauen Sie frühzeitig zusätzliches Einkommen auf, welches Sie wiederum investieren können und so schnell an das Ziel des „ausgesorgt Habens“ (Finanzielle Selbstbestimmung) kommen. Sie generieren so nämlich Schritt für Schritt ein passives Einkommen, von dem Sie im Idealfall später komplett leben können.

Hinzukommt, dass Sie auf etablierte Unternehmen setzen können, die eine hohe Dividende zahlen und deren Aktien tendenziell eher weniger Wertschwankung unterliegen. Sie müssen also tendenziell geringere Risiken eingehen als bei dem Investment in junge Unternehmen mit theoretisch hohem Kurspotenzial.

Selbst wenn Ihr Investment an Wert verlieren sollte, ist dies zunächst nicht weiter schlimm solange es weiter Ausschüttungen generiert. Der Dispositionseffekt wirkt sich somit nicht negativ auf Ihr Investitionsziel aus, da Sie zum einen reine Kursverluste bei konstanten Ausschüttungen verkraften können und zum anderen Sie nicht zu früh verkaufen müssen. Sie haben nämlich als Ziel keine Kurssteigerung, sondern ein permanentes und stabiles Einkommen. Hierfür ist die Wertentwicklung Ihres Investments irrelevant. Lediglich die generierten Ausschüttungen sind wichtig.

Ich empfehle Ihnen daher, dass Sie ein passives Einkommen aufbauen und nicht auf hohe Aktienkursgewinne setzen. Wollen Sie genau erfahren, wie auch Sie passives Einkommen aufbauen können, dann empfehle ich Ihnen meinen »EASY FINANCE GUIDE« zu diesem Thema.

Ihr